Musiklehrer-Gehalt: Honorarkraft oder Festanstellung?
An deutschen Musikschulen gab es 2022 rund 36.600 Beschäftigungsverhältnisse, und fast jedes zweite davon war ein Honorarvertrag. Genau daran hängt die Gehaltsfrage: Zwischen einer Honorarstunde und einer tariflichen Festanstellung liegen Welten.
Alles Wichtige auf einen Blick
- Über 930 Musikschulen im Verband deutscher Musikschulen meldeten 2022 rund 36.586 Beschäftigungsverhältnisse.
- 54,6 Prozent davon waren Festanstellungen, 45,4 Prozent Honorarverträge.
- 87,5 Prozent der Festangestellten arbeiten in Teilzeit.
- 78,3 Prozent der Festangestellten werden nach TVöD vergütet.
- In Bayern sind 95,7 Prozent fest angestellt, in Berlin arbeiten 87,8 Prozent auf Honorarbasis.
- Bis 2035 werden rund 14.700 neue Lehrkräfte gebraucht, im Schnitt 16 pro Musikschule.
- Die Honoraruntergrenze des Deutschen Musikrats liegt seit März 2026 bei 56 Euro je 45 Minuten.
- Für 60 Minuten sind es 74 Euro, als angemessen gelten 67 beziehungsweise 89 Euro.
- Das Herrenberg-Urteil des Bundessozialgerichts vom 28. Juni 2022 zwingt viele Schulen zur Festanstellung.
- Nach § 52 TVöD-BT-V umfasst die Vollzeit einer Musikschullehrkraft 30 Unterrichtsstunden à 45 Minuten.
- Der Anteil fest angestellter Lehrkräfte stieg laut ver.di von 55,8 Prozent 2023 auf 70,6 Prozent 2024.
- In Berlin arbeiten weiterhin rund drei Viertel der etwa 2.400 Lehrkräfte auf Honorarbasis.
- Gehaltsportale nennen einen Median von 4.397 Euro brutto im Monat, das sind 54.529 Euro im Jahr.
- Die mittleren 50 Prozent liegen zwischen 3.814 und 5.071 Euro.
- Regional reicht die Spanne von 3.781 Euro in Mecklenburg-Vorpommern bis 4.605 Euro in Baden-Württemberg.
Bei kaum einem Musikberuf hängt das Einkommen so sehr an der Vertragsform wie beim Unterrichten. Zwei Lehrkräfte, die im selben Haus dasselbe Fach unterrichten, können ein völlig unterschiedliches Jahreseinkommen haben, je nachdem, ob sie fest angestellt sind oder auf Honorarbasis arbeiten. Die Zahlen zeigen, wie das Verhältnis aussieht und wohin es sich gerade bewegt.
Wie Musikschulen ihre Lehrkräfte beschäftigen
1. An den mehr als 930 Musikschulen im Verband deutscher Musikschulen gab es 2022 insgesamt 36.586 Beschäftigungsverhältnisse.1
2. Davon waren 54,6 Prozent Festanstellungen und 45,4 Prozent Honorarverträge.2 Fast jede zweite Lehrkraft hatte also keinen Arbeitsvertrag.
3. Auch die Festanstellung heißt selten Vollzeit: 87,5 Prozent der fest angestellten Lehrkräfte arbeiten in Teilzeit.3
4. Immerhin die Vergütung ist bei ihnen weitgehend geregelt: 78,3 Prozent werden nach TVöD bezahlt.4
5. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind extrem. In Bayern sind 95,7 Prozent der Lehrkräfte fest angestellt, in Berlin arbeiten 87,8 Prozent auf Honorarbasis.5 Der gleiche Beruf, zwei völlig verschiedene Existenzformen.
6. Der Bedarf wächst trotzdem: Nach einer Verbandsumfrage werden bis 2035 rund 14.700 neue Lehrkräfte gebraucht, im Schnitt 16 pro Musikschule.6
Was eine Honorarstunde bringen soll
7. Der Deutsche Musikrat empfiehlt seit dem 1. März 2026 eine Honoraruntergrenze von 56 Euro je 45 Minuten Unterricht.7
8. Für eine volle Zeitstunde liegt die Untergrenze bei 74 Euro, als angemessen gelten 67 Euro je 45 Minuten und 89 Euro je 60 Minuten.8 Aus diesen Sätzen sind Vor- und Nachbereitung, Ausfallstunden, Krankheit, Urlaub und die gesamte soziale Absicherung zu bestreiten, was den Vergleich mit einem Bruttostundenlohn verbietet.
Warum sich das Bild gerade verschiebt
9. Ausgangspunkt ist das sogenannte Herrenberg-Urteil des Bundessozialgerichts vom 28. Juni 2022 (Aktenzeichen B 12 R 3/20 R). Es stufte eine Musikschullehrkraft, die in den Betrieb der Schule eingebunden war, als sozialversicherungspflichtig beschäftigt ein.9 Seither müssen viele Schulen ihre Honorarmodelle umstellen.
10. Wer fest angestellt wird, arbeitet nach § 52 TVöD-BT-V in Vollzeit 30 Unterrichtsstunden zu je 45 Minuten pro Woche, zuzüglich der Nebenpflichten.10
11. Die Wirkung ist messbar: Nach Zahlen der Gewerkschaft ver.di stieg der Anteil fest angestellter Lehrkräfte an den erfassten Schulen von 55,8 Prozent im Jahr 2023 auf 70,6 Prozent im Jahr 2024.11
12. Berlin bleibt die große Ausnahme: Dort arbeiten weiterhin rund drei Viertel der etwa 2.400 Musikschullehrkräfte auf Honorarbasis.12
Was am Ende auf dem Konto landet
Die folgenden drei Zahlen stammen aus Selbstauskünften auf einem Gehaltsportal und bilden vor allem Festangestellte in Vollzeit ab. Honorarkräfte kommen darin praktisch nicht vor, ihr tatsächliches Jahreseinkommen liegt in aller Regel deutlich darunter.
13. Der Median liegt bei 4.397 Euro brutto im Monat, hochgerechnet 54.529 Euro im Jahr.13
14. Die mittleren 50 Prozent reichen von 3.814 bis 5.071 Euro.14
15. Regional spannt sich der Bogen von 3.781 Euro in Mecklenburg-Vorpommern bis 4.605 Euro in Baden-Württemberg.15
Was man daraus mitnehmen kann
Die entscheidende Frage im Beruf ist nicht das Bundesland und nicht das Instrument, sondern der Vertrag. Zwischen 56 Euro Honorar für eine Unterrichtseinheit ohne jede Absicherung und einer TVöD-Stelle mit 30 Wochenstunden liegt der größte Einkommensunterschied, den dieser Beruf kennt, und die Rechtsprechung schiebt das Verhältnis gerade spürbar in Richtung Festanstellung.
Verwandte Zahlen aus dem Musikberuf finden sich in unseren Beiträgen zum Orchestermusiker-Gehalt und zum Musikstudium in Zahlen. Und wenn im Kollegium ein Abschied ansteht, funktioniert ein umgedichtetes Abschiedslied zuverlässiger als jede Rede.
Häufige Fragen
Was verdient ein Musiklehrer an einer Musikschule?
Fest angestellte Lehrkräfte werden zu 78,3 Prozent nach TVöD vergütet; Gehaltsportale nennen für Musiklehrer einen Median von 4.397 Euro brutto im Monat bei einer Spanne von 3.814 bis 5.071 Euro. Diese Werte gelten aber für Vollzeitangestellte, und 87,5 Prozent der Festangestellten arbeiten in Teilzeit.
Wie hoch ist das Honorar für eine Musikunterrichtsstunde?
Der Deutsche Musikrat nennt seit dem 1. März 2026 als Untergrenze 56 Euro je 45 Minuten und 74 Euro je 60 Minuten, als angemessen gelten 67 beziehungsweise 89 Euro. Aus diesen Sätzen müssen Vorbereitung, Ausfallzeiten, Urlaub, Krankheit und die komplette soziale Absicherung bezahlt werden.
Was ist das Herrenberg-Urteil und was ändert es für Musiklehrer?
Das Bundessozialgericht entschied am 28. Juni 2022 (B 12 R 3/20 R), dass eine in den Schulbetrieb eingebundene Musikschullehrkraft sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist. Seither stellen viele Musikschulen von Honorarverträgen auf Anstellung um: Der Anteil fest angestellter Lehrkräfte stieg laut ver.di von 55,8 Prozent 2023 auf 70,6 Prozent 2024.
Wie viele Unterrichtsstunden hat eine Vollzeitstelle an der Musikschule?
Nach § 52 TVöD-BT-V umfasst die Vollzeitbeschäftigung einer Musikschullehrkraft 30 Unterrichtsstunden zu je 45 Minuten pro Woche, zuzüglich der damit verbundenen Nebenpflichten wie Vorbereitung, Vorspiele und Konferenzen.
In welchem Bundesland sind Musiklehrer am häufigsten fest angestellt?
In Bayern, wo 95,7 Prozent der Musikschullehrkräfte fest angestellt sind. Am anderen Ende steht Berlin mit 87,8 Prozent Honorarkräften; dort arbeiten weiterhin rund drei Viertel der etwa 2.400 Lehrkräfte auf Honorarbasis.
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Quellen
- Deutsches Musikinformationszentrum (miz.org)
- Deutsches Musikinformationszentrum (miz.org)
- Deutsches Musikinformationszentrum (miz.org)
- Deutsches Musikinformationszentrum (miz.org)
- Deutsches Musikinformationszentrum (miz.org)
- neue musikzeitung (nmz.de)
- Deutsches Musikinformationszentrum (miz.org)
- Deutsches Musikinformationszentrum (miz.org)
- neue musikzeitung (nmz.de)
- TVöD-VKA, § 52 Nr. 2, § 6 Arbeitszeit an Musikschulen (pc-gehalt.de)
- ver.di (verdi.de)
- ver.di (verdi.de)
- Gehaltsportal GEHALT.de (gehalt.de)
- Gehaltsportal GEHALT.de (gehalt.de)
- Gehaltsportal GEHALT.de (gehalt.de)
Lena Brandt